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„Auch mal ‚Nein‘ zu sagen, gehört leider zum Geschäft“

Im Service- und Wartungsgeschäft steigt der Kostendruck auf Anbieter und Anlagenbetreiber. Dies erfordert neue Dienstleistungsangebote und eine bessere Kommunikation. SW&W sprach mit Klaus Rose, Vertriebsleiter von Connected Wind Services Deutschland GmbH über die Entwicklungen in der Servicebranche. Das Interview wurde im Rahmen der Recherche zur Service-Marktübersicht geführt, die am 6. April in SONNE WIND & WÄRME 4/2018 erscheint.

SW&W: Herr Rose, Connected Wind ist vor mehr als 30 Jahren als erster unabhängiger Serviceanbieter in Europa gegründet worden. Wie hat sich über diese Zeit das Servicegeschäft und die Rahmenbedingungen verändert?


Klaus Rose:
Das Servicegeschäft hat sich wie die gesamte Branche immer mehr professionalisiert. Hat es vor dreißig Jahren noch gereicht mit Blaumann, Knarrenkasten und Fettpumpe auf die Anlage zu gehen, hat mittlerweile der Laptop Einzug gehalten, im Grunde ähnlich der klassischen Autowerkstatt. Entsprechend haben sich allerdings auch die Kosten geändert. Bleiben wir beim Beispiel Laptop. Ohne die Technik kann ich keine Störungsbehebung durchführen, allerdings will die Technik auch bezahlt werden. Die Erlöse, die ich vor dreißig Jahren pro Kilowatt erzielt habe, kann ich auf heutige Anlagen nicht skalieren. Um die Kosten in ein passendes Gleichgewicht mit den Erlösen zu bringen, muss ich heute wesentlich effizienter planen. Das gilt nicht nur für Serviceeinsätze grundsätzlich, sondern auch bei der Auswahl und Qualifikation der Servicetechniker.

 

SW&W: Der Trend geht eindeutig weg von den Rund-um-Sorglos-Paketen hin zu individuellen Angeboten, auch weil der Kostendruck auf die Anlagenbetreiber steigt. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Serviceprodukte und wie lässt sich bei dieser Entwicklung eine regelmäßige Wartung nach Herstellervorgaben noch sicherstellen?


Rose:
Unsere Serviceprodukte werden immer individueller. Abgestimmt auf den Kunden bzw. seine individuellen Belange unter Berücksichtigung des tatsächlich Notwendigem. Ein klassisches Beispiel ist die Anlage, die gerade ein frisches AT-Getriebe bekommen hat. Gewährleistung zwei Jahre und die Anlage hat eine Restlaufzeit von vier oder fünf Jahren.  Ist das eventuell noch ein Anlagentyp mit unauffälligem Hauptlager, dann lassen Sie uns doch diese Komponenten aus dem „Rund-um-Sorglos-Paketen „rausnehmen. Eine regelmäßige Wartung MUSS sichergestellt sein. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Auch mal nein zu sagen gehört leider auch zum Geschäft.

SW&W: Vor zwei Jahren ist der Karlsruher Energiekonzern EnBW bei Connected Wind eingestiegen. Inwieweit hat sich durch den neuen Mehrheitseigentümer die Arbeit und die Perspektive des Unternehmens verändert?


Rose:
Die EnBW ist der Eigentümer des CWS A/S, unsere Muttergesellschaft mit Sitz in Dänemark. Die CWS in Dänemark, Schweden und auch hier in Deutschland sind und bleiben selbstständig und sind nicht im Konzern eingebunden. Das lässt uns die Möglichkeit, im Markt flexibel und schnell zu reagieren. Allerdings haben wir nun die Möglichkeit, auch in die Zukunft zu blicken und Investitionen zu tätigen, die sich auch mittel- und langfristig auszahlen. Das sind Projekte wie das Post EEG Produkt oder das Invest in neue Technologien oder Schulungs- und Weiterbildungskonzepte für Mitarbeiter. Dazu kommen Synergien zwischen der EnBW und CWS. Windenergie-Know-how ist in beiden Unternehmen seit langem vorhanden. Meist in unterschiedlichen Bereichen, die sich aber gut ergänzen.

SW&W: In den vergangenen Jahren hat es im Servicemarkt eine deutliche Konsolidierung und Marktkonzentration gegeben. Auch die Kunden, insbesondere diejenigen mit großen Portfolien, neigen dazu, nur noch mit einem Anbieter zusammenzuarbeiten. Inwiefern wird dies die Branche künftig beeinflussen?


Rose: Die Auffassung, dass Kunden vermehrt mit einem Anbieter zusammenarbeiten, kann ich so nicht teilen. Sicher ist der Markt überschaubarer geworden, aber nicht zuletzt durch das Multibrand-Konzept einiger Hersteller ist immer noch Wettbewerb zu spüren. Und das auch nachhaltig. Das Portfolio wird in der Regel aufgeteilt und wir müssen uns mit dem Wettbewerb messen. Immer kürzere Vertragslaufzeiten halten das Geschäft spannend, jedoch auch auf einem qualitativ hohen Niveau.

 

SW&W: In unserer Marktumfrage wird immer wieder die mangelnde Kommunikation zwischen Anlagenbetreibern und Serviceanbietern als „neuralgischer Punkt“ im Kontakt mit Betreibern genannt. Was muss sich Ihrer Meinung nach im Miteinander ändern?


Rose:
Ein wichtiger Punkt ist es, die Kommunikationswege klar festzulegen. Was soll wann und mit wie viel Vorlauf reported werden. In welcher Form, wie schnell oder regelmäßig sollen die durchgeführten Arbeiten dokumentiert werden. Dann natürlich feste Ansprechpartner benennen und diese spätestens nach Vertragsabschluss auch persönlich vorstellen.

 

SW&W: In der Branche besteht ein massiver Arbeitskräftebedarf, die Konkurrenz unter den Serviceanbietern ist also groß. Was unternehmen Sie, um entsprechend qualifizierte Mitarbeiter für Connected Wind zu gewinnen und ihnen einen Arbeitsplatz in Nordfriesland schmackhaft zu machen?


Rose:
Hier in Nordfriesland haben wir die geringsten Probleme, Nachwuchs zu finden. Die Windkraft ist hier zu Hause und der Beruf des Servicetechnikers auf Windkraftanlagen etwas Selbstverständliches. Da sieht es in anderen Teilen Deutschlands anders aus. Grundsätzlich muss ich meinen Arbeitsplatz und die Bedingungen attraktiv gestalten. Ich kann zwar nicht jedem Techniker seine Anlage vor die Haustür stellen, aber dennoch meine Touren möglichst heimatnah und transparent planen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Mitarbeiter, die es schätzen, auf Montage und ein paar Tage oder Wochen beispielsweise im Ausland zu verbringen, entsprechend planen wir die Kollegen ein. Eine leistungsgerechte und nachvollziehbare Entlohnung, regelmäßige Schulungen bzw. Trainings, aber auch Bonusprogramme wie zum Beispiel für Fitness gehören dazu.

 

Das Interview finden Sie auch unter: http://www.sonnewindwaerme.de/service-connected

 

 

Quelle:Eckert, Kai: WEA-Service: „Auch mal ‚Nein‘ zu sagen, gehört leider zum Geschäft“ in: SONNEWIND&WÄRME, unter: http://www.sonnewindwaerme.de/service-connected (abgerufen am 01.04.2018.)

 

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